Emil


Sina


Melek

Abbildung 1: „Ausschnitt Standortbestimmung zur Subtraktion im Tausenderraum"
 

Die Kinderdokumente (Abb. 1) zeigen Ausschnitte aus einer Standortbestimmung zur Feststellung von Kompetenzen im Bereich der Subtraktion im Zahlenraum bis 1000.

Eigenaktivität

Was denken Sie?
Welche diagnostischen Aussagen können über die mathematischen Fähigkeiten der Lernenden getroffen werden?

Zwar lassen sich durch das Betrachten der Schülerlösungen erste Vermutungen über die Kompetenzen der Kinder aufstellen, wie beispielsweise die Kompetenz des Lösens von Subtraktionsaufgaben im Zahlenraum bis 1000 oder die des Notierens von Zahlen unter Anwendung der Struktur des Zehnersystems. Konkrete Aussagen über die Vorgehensweise und die Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler erhält man aber erst, indem das Diagnosepotenzial der Aufgabe erhöht wird. Dies ermöglicht der Lehrkraft neben einer gezielteren diagnostischen Aussage auch das Aufstellen erster Überlegungen zu zukünftigen Fördervorhaben. Beispielsweise liefern die Kinderdokumente durch das Hinzufügen der Fragestellung 

„Beschreibe, wie du 667-49 gerechnet hast.“

folgende weitere Informationen:

 


Abbildung 2: „Ich habe 667-50 gerechnet und dann plus 1.“


Abbildung 3: „Da war die 6 und dann habe ich 6-4 gerechnet, das ergibt 620 und dann habe ich 9-7 gerechnet.​“


Abbildung 4: „Ich habe 660-40 gerechnet, das ergibt 620 und weil 9 mehr als 7 ist und dann 2 übrig bleiben, habe ich 620-2 gerechnet und das Ergebnis kam raus.“
 

Während die Betrachtung der in Abbildung 1 gezeigten Dokumente zunächst vermuten lässt, dass alle drei Kinder hinreichende bzw. gleichwertige Kompetenzen im Tausenderraum erlangen konnten, zeigt sich bei der Analyse der Vorgehensweisen (Abb. 2-4) ein nicht so eindeutiges Bild. Durch die Ergänzung der diagnostischen Fragestellung ergeben sich viel detailliertere Erkenntnisse hinsichtlich der Rechen- und Denkwege der Kinder.

Konkret zeigen die Aussagen der Lernenden zum einen, dass alle drei eine unterschiedliche Vorgehensweise gewählt haben und zum anderen, dass insbesondere Sinas Rechenweg (Abb. 3) noch einer genaueren Diagnose bedarf. Die Beschreibung ihrer Vorgehensweise kann darauf hindeuten, dass ihr Stellenwertverständnis noch nicht hinreichend ausgeprägt ist, um Rechnungen im Tausenderraum bewältigen zu können. Hier sollten weitere Diagnoseaufgaben zum Einsatz kommen, um neben der Analyse ihrer Schwierigkeiten vor allem die vorhandenen Kompetenzen von Sina genauer festzustellen, an denen bei einer potentiellen Förderung angesetzt werden muss. Im Anschluss an die genaue Analyse von Kompetenzen und Defiziten können ausgewählte Förderaufgaben Anwendung finden.
 
Welche Arten von Aufgaben sich gut für Diagnosezwecke eignen, wie das diagnostische Potenzial von herkömmlichen Aufgaben erhöht werden kann und wie daraus geeignete Förderaufgaben abgeleitet werden können, soll auf den nächsten Seiten anschaulich erläutert werden.