Üben gilt als integraler Bestandteil des gesamten Mathematikunterrichts und ist in allen Phasen des Lernprozesses von zentraler Bedeutung, wobei je nach Phase unterschiedliche Lernaktivitäten im Vordergrund stehen können (vgl. Wittmann, 1992).

Bisweilen wird aber – gerade bei Kindern mit Schwierigkeiten im Mathematiklernen – der Fokus ausschließlich oder vorrangig auf die „Kenntnis und Anwendung von ausgewählten Rechenverfahren und das mechanische Aufsagen von mathematischen Fakten“ (Häsel-Weide et al., 2013, S. 31) gelegt.

Dies passiert in der vermeintlich guten Absicht, diese Kinder nicht zu überfordern. Weitere wesentliche Aspekte, wie der Aufbau von Grundvorstellungen, die Nutzung von Beziehungen zwischen Aufgaben oder die Ablösung vom zählenden Rechnen, erhalten dann nicht die erforderliche Aufmerksamkeit. Sie sind aber gerade für die Überwindung von Rechenschwierigkeiten notwendig und müssen deshalb auch thematisiert und geübt werden (ebd.).

Um den langfristigen, verstehensorientierten Aufbau mathematischer Kompetenzen zu unterstützen, werden im Projekt Mathe inklusiv vier Übungsphasen formuliert.

Hier die Übersicht zu "Effektiv Üben" als PDF herunterladen.

Grundlegendes Üben

Ein wesentliches Ziel des grundlegenden Übens ist es, Zahl- und Operationsvorstellungen aufzubauen, indem Handlungen oder Bilder mit Unterstützung von geeigneten Materialien und sprachlichen Mitteln zu gedanklichen Vorstellungen umgebaut werden.

Vernetzendes Üben

Beim vernetzenden Üben werden Zahl- und Aufgabenbeziehungen hergestellt, indem am Material gestützte Grundvorstellungen systematisch erweitert werden, mit dem Ziel, Zusammenhänge für das Lösen von Aufgaben nutzen zu können.

Entdeckendes Üben

Beim entdeckenden Üben werden anhand von substanziellen Aufgaben Einsichten zu Zahl- und Aufgabenbeziehungen gefestigt, wobei der Fokus nicht mehr auf den materialgestützten Grundvorstellungen liegt, sondern auf dem Entdecken, Beschreiben und Begründen übergeordneter Zusammenhänge.

Sicherndes Üben

Beim sichernden Üben trainieren die Lernenden bewusst das Automatisieren von Aufgabenergebnissen und die Geläufigkeit von Anwendungen oder Lösungsprozessen.