Bruch als Anteil als zentrale Grundvorstellung

Die Vorstellung Bruch als Anteil ist für die Lernenden mit der Einführung der Bruchzahlen ein neuer Zahlaspekt, der fundiert und anschaulich erarbeitet werden muss. Der Bruch als Anteil ist grundlegend für das Verstehen weiterführender Inhalte zum Umgang mit Brüchen. Aufgrund dieser zentralen Bedeutung für ein erfolgreiches Weiterlernen im Mathematikunterricht der Sekundarstufe wird die Grundvorstellung Bruch als Anteil im Folgenden näher betrachtet.

Die Grundvorstellung Bruch als Anteil umfasst zwei Teilaspekte: Bruch als Anteil eines Ganzen und Bruch als Anteil mehrerer Ganzer. Der Teilaspekt Bruch als Anteil eines Ganzen wird dabei noch unterschieden in kontinuierliche und diskrete Vorstellung.

Bruch als Anteil eines Ganzen

Bruch als Anteil eines Ganzen: kontinuierlich 

 

Die Abbildung zeigt drei Rechteckdarstellungen von Bruchzahlen. Neben den Rechteckdarstellungen steht die zugehörige Bruchzahl. Das erste Rechteck stellt die Bruchzahl drei Viertel dar. Es ist in vier gleich große Teile unterteilt. Drei Teile sind rot gefärbt, ein Teil ist grau gefärbt. Das zweite Rechteck stellt die Bruchzahl zwei Drittel dar. Das Rechteck ist in drei gleich große Teile unterteilt. Zwei Teile sind rot gefärbt, ein Teil ist grau gefärbt. Das dritte Rechteck stellt die Bruchzahl fünf Achtel dar. Das Rechteck ist in acht gleich große Felder in der Struktur zwei mal vier unterteilt. Oben sind drei Felder rot gefärbt, unten sind zwei Felder rot gefärbt. Die übrigen drei Felder sind grau gefärbt.

Abbildung 1: Rechteckdarstellungen verschiedener Bruchzahlen

Bei einer kontinuierlichen Darstellung handelt es sich um ein zusammenhängendes Element, das beliebig teilbar ist. Mit anderen Worten: Das gleiche Rechteck kann genutzt werden um \({3 \over 8}\) oder \({4 \over 7}\) darzustellen, je mit einer anderen Unterteilung.

 

Bruch als Anteil eines Ganzen: diskret 

 

Die Abbildung zeigt eine Lehrerin mit einer Sprechblase und eine Reihe von vier Plättchen. Drei Plättchen sind blau, ein Plättchen ist rot. Die Lehrerin fragt: Hier liegen vier Plättchen, drei davon sind blau. Welcher Anteil der Plättchen ist blau?  Eine diskrete Darstellung ist bereits in einzelne, nicht weiter unterteilbare Elemente zerlegt. Mit anderen Worten: Diese Darstellung eignet sich nicht ohne weiteres, um an ihr andere Bruchzahlen (z.B. 3/8 oder 4/7) darzustellen. Daher wird diese Darstellung im Weiteren auch nicht in der Aufgabenstellung kompakt aufgegriffen.

Abbildung 2: Mögliche Aufgabenstellung zu einer diskreten Vorstellung

Eine diskrete Darstellung ist bereits in einzelne, nicht weiter unterteilbare Elemente zerlegt. Mit anderen Worten: Diese Darstellung eignet sich nicht ohne weiteres, um an ihr andere Bruchzahlen (z.B.\({3 \over 8}\) oder \({4 \over 7}\)) darzustellen. Daher wird diese Darstellung im Weiteren auch nicht in der Aufgabenstellung kompakt aufgegriffen.

 

Bruch als Anteil mehrerer Ganzer

 

Die Abbildung zeigt eine Lehrerin mit einer Sprechblase. Unter der Lehrerin sind vier Kinder abgebildet. Zwischen den beiden Kindern in der Mitte stehen drei große Muffins. Die Lehrerin fragt: Vier Kinder teilen sich gerecht drei große Muffins. Welchen Anteil erhält jedes Kind?

Abbildung 3: Bruch als Anteil mehrerer Ganzer

Die Vorstellung vom Bruch als Anteil eines Ganzen oder mehrerer Ganzer sind mit Kontextbezug für die Lernenden intuitiv zugänglich und sollten für Aktivitäten zu Darstellungsvernetzungen (s. Abbildung 1, Bruchvorstellungen) genutzt werden. Bei der Interpretation Bruch als Anteil mehrerer Ganzer ist im weiteren Unterrichtsverlauf aber zu berücksichtigen, dass diese Vorstellung die Lernenden vor besondere Herausforderungen stellen kann (Prediger et al. 2017, S. 21). Die Schwierigkeit für die Lernenden besteht in der Vorstellung mehrerer Ganzer, die geteilt werden: \({3 \over 4}\) bedeutet in dieser Interpretation, vier Kinder teilen sich drei Muffins (Padberg & Wartha, 2017, S. 28ff.). Das bedeutet, dass der Aspekt des Bruchs als Anteil mehrerer Ganzer im Unterricht im Zuge der Darstellungsvernetzungen mit Kontextbezug durchaus aufgegriffen werden sollte. Um aber besonders Lernende mit Schwierigkeiten beim (Mathematik-) Lernen beim Verstehen von Bruchzahlen zu unterstützen, scheint es ratsam, zunächst anschaulich den Bruch als Anteil eines Ganzen systematisch zu erarbeiten.