Aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen, die mathematische Aufgaben an Schülerinnen und Schüler stellen (vgl. ‚Anforderungsbereiche‘), ist es besonders in inklusiven Lerngruppen wichtig, neben allgemein bekannten Differenzierungsmaßnahmen eines zeitgemäßen Mathematikunterrichts weitere Formen der individuell angepassten Lernunterstützung sowie Erweiterung anzubieten (vgl. ,Planung von Förderung'). Das „Fünf-Stufen-Modell“ (vgl. Wember; s. auch PIKAS: Haus 6: Heterogenität – Fortbildungsmaterial – Zieldifferent lernen im gemeinsamen Unterricht) veranschaulicht hierbei das Spektrum an Erweiterungs- bzw. Unterstützungsstufen in inklusiven Lerngruppen (s. Abb. 2).

Tabelle „Fünf-Stufen-Modell“ nach Wember. Zeile 1: Überschriften: „Niveaustufen“ und „Anforderungen“. Zeile 2: „Erweiterungsstufe II; Vertiefende Angebote für Leistungsstarke“. Zeile 3: „Erweiterungsstufe I; Differenzierung „nach oben“ (weiterführende Angebote)“. Zeile 4: „Basisstufe; Grundanforderung“. Zeile 5: Unterstützungsstufe I; Differenzierung „nach unten““. Zeile 6: „Unterstützungsstufe II; elementare Angebote für Kinder mit Lernschwierigkeiten (gemäß Förderplan), wo möglich: mit Angebot der Teilhabe“. Die drei Niveaustufen „Erweiterungsstufe I“, „Basisstufe“ und „Unterstützungsstufe I“ sind grau hinterlegt und als zentrales Niveau gekennzeichnet.
Abbildung 2: „Fünf-Stufen-Modell“ nach Wember

Neben der Berücksichtigung der allgemeinen Heterogenitätsspanne innerhalb von Schulklassen, welche als „zentrales Niveau“ deklariert wird, werden weitere Niveaustufen genannt, die über die Grenzen des allgemeinen Curriculums hinausgehen. Um allen Kindern das Lernen am gleichen Lerngegenstand zu ermöglichen, eignen sich Arbeitsaufträge, deren Inhalte an verschiedene Anforderungsniveaus angepasst werden können. Ausgehend vom gleichen inhaltlichen Kontext werden unterschiedliche Differenzierungsangebote bereitgestellt, um leistungsschwächere Kinder in ihrem Lernprozess zu unterstützen (Unterstützungsstufe I / II) sowie die Kompetenzen leistungsstärkerer Kinder zu erweitern (Erweiterungsstufe I / II). Dazu eignen sich beispielsweise Tippkarten (vgl. PIKAS: Haus 6: Heterogenität – Unterricht – Zahlenmauern-Übungsheft, Schüler-Material (Tippkarten)) oder Sternchenaufgaben.

Ausgehend vom Unterrichtsbeispiel „Tauschaufgaben“ soll nachfolgend in einer reduzierten Fassung dargestellt werden, wie ein dreistufiges Niveaustufen-Modell praktisch angewendet werden kann. Wobei im Erweiterungsbereich beispielhafte Herausforderungen und im Unterstützungsbereich beispielhafte Tipps zu finden sind.

Wir erforschen besondere Mal-Aufgaben: Tauschaufgaben

Haupt-Zielsetzung (Basis):

Die Schülerinnen und Schüler erkennen, dass das Ergebnis von Tauschaufgaben gleich ist, verdeutlichen ihre Entdeckungen und finden eine für sie angemessene Begründung.

Erweiterung

Entwicklung eines Beweises/ (non)-verbale Verallgemeinerung

 „Wie kannst du anderen Kindern erklären, warum das Ergebnis von Tauschaufgaben immer gleich ist? Schreibe deinen Tipp auf.“

Übertragen der Entdeckungen auf Eigenproduktionen

„Erfinde eigene Tauschaufgaben.“

Basis (inkl. Differenzierung)

Lösen der Multiplikationsaufgaben

„Rechne aus.“

Aufstellen von Vermutungen über mathematische Zusammenhänge

„Was fällt dir auf? Markiere mit Forschermitteln.“

Erklären von Beziehungen und Gesetzmäßigkeiten an Beispielen

„Warum ist das so? Begründe.“

Unterstützung

Aufstellen von Vermutungen über mathematische Zusammenhänge (nonverbal bzw. mit unterstützenden Darstellungsmitteln oder einer Tippkarte)

„Was fällt dir auf? Markiere mit Forschermitteln.“

Bei der Nutzung von Forschermitteln kann die folgende Tippkarte unterstützend sein. Siehe außerdem PIKAS Haus 1: Forschermittel: http://pikas.dzlm.de/227.

Auch das Bereitstellen von Anschauungsmaterial kann die Kinder darin unterstützen, Grundvorstellungen zu Tauschaufgaben zu entwickeln und darszustellen.

 

Hier können Sie das Untersichtsbeispiel als PDF herunterladen