Im Folgenden soll aufgezeigt werden, in welchen Bereichen Förderung für ein einzelnes Kind vor dem Hintergrund des Klassenunterrichts geplant werden und wie der Austausch über fachliche Förderung erfolgen kann. Diese Vorschläge können in eine umfassendere Lern- und Entwicklungsplanung integriert werden.

 

Kennzeichen der Planung von Förderung

Die Planung von Förderung kann man allgemein zunächst als „empirisch begründete Überlegungen zur Verbesserung der pädagogischen Situation eines Menschen verstehen“ (Bundschuh & Winkler, 2014, 399). Bei der Planung selbst werden unter anderem „Zielfestsetzungen – basierend auf einem diagnostischen Verlaufsprozess“ sowie daraus abgeleitete fördernde Maßnahmen festgehalten (Bundschuh & Winkler, 2014, 399).
Beteiligt sein können dabei stets mehrere Personen, insbesondere sind zunächst die Grundschullehrkraft und die Lehrkraft für sonderpädagogische Förderung sowie die Erziehungsberechtigten und die Lernenden selbst zu nennen. Denkbar ist auch der Einbezug weiterer Experten wie Therapeuten oder Ärzte, etc.

Ziel der Planung von Förderung ist die Einigung der wichtigsten Beteiligten auf wenige grundlegende Ziele für das einzelne Kind und darauf abgestimmt fördernde Maßnahmen, welche in Übereinstimmung miteinander konsequent angestrebt werden (vgl. Fricke & Streit-Lehmann, 2015).
 

Das Vorgehen bei der Planung von Förderung

In vereinfachter Form lässt sich das Vorgehen in drei Phasen unterteilen (in Anlehnung an Bundschuh & Winkler, 2014):
 

Abbildung 2

Kennzeichen der Planungsphase ist die Verabredung der verschiedenen Zielsetzungen und Maßnahmen auf der Basis diagnostischer Informationen. Ein Überblick zu diagnostischen Instrumenten für den mathematischen Bereich finden sich in den einzelnen Teilmodulen von „Diagnosegeleitet fördern“

Innerhalb der Durchführungsphase werden verabredete Maßnahmen von allen Beteiligten zielgerichtet umgesetzt und dokumentiert, um in der anschließenden Evaluationsphase eine gemeinsame Anpassung der laufenden Förderung vornehmen zu können. Somit mündet diese Evaluation wiederum in einer aktualisierten Planung (vgl. Heimlich, Lutz & de Icaza, 2014). Hier spiegelt sich der Kreislauf von Diagnose und Förderung wider.

Für die Planung individueller Förderung soll im Folgenden der Fokus insbesondere auf den fachbezogenen Austausch der Lehrkräfte in der ersten Phase und dessen inhaltliche Gestaltung gelegt werden, welche ebenfalls leitend für die zweite und dritte Phase ist.
 
Folgende Punkte können in den gemeinsamen Überlegungen beispielsweise  in der gegebenen Reihenfolge thematisiert werden  (in Anlehnung an Bundschuh & Winkler, 2014):
  • Beschreibung des „Ist“-Stands auf der Grundlage diagnostischer Erkenntnisse
  • Ableitung von Zielsetzungen
  • Nutzung von Kompetenzen und Stärken des Kindes
  • Nutzung von Ressourcen zur Unterstützung
  • didaktisch-methodische Maßnahmen
  • Möglichkeiten der Überprüfung der formulierten Zielsetzungen und Maßnahmen
Im Blick sein sollte dabei stets die „Zone der nächsten Entwicklung“ von Vygotsky (vgl. Krauthausen & Scherer, 2008). Der Umfang der Planungen kann auf ein realistisches und zu bewältigendes Maß konzentriert werden.

 

Ableitung von Zielsetzungen und fördernden Maßnahmen für den Mathematikunterricht

Nach der Erhebung der Lernausgangslage auf Grundlage diagnostischer Erkenntnisse stehen die Lehrkräfte vor der Aufgabe, geeignete Zielsetzungen und fördernde Maßnahmen abzuleiten. Ausgangspunkt für Förderung ist dabei immer der Lernende selbst, welcher im Kontext von curricularen Anforderungen und individuellen Lernbedürfnissen betrachtet werden soll. An dieser Stelle wird deutlich, dass für ein solches Verständnis von Förderung die verschiedenen Blickwinkel aller Beteiligten notwendige Elemente sind und hier im Sinne des zielgerichteten Lernprozesses des einzelnen Kindes zusammenfließen sollten.


Abbildung 3

Wember (2013) formuliert verschiedene Tätigkeitsschwerpunkte sonderpädagogischer Förderung im inklusiven Unterricht, aus welchen Bereiche für die Planung fachlicher Förderung abgeleitet werden können. In Anlehnung daran sollen diese Bereiche hier beschrieben werden:

Sicherung des Lernerfolgs im Lehrplan durch…
  • didaktische Anpassung der Inhalte des Klassenunterrichts, zum Beispiel Adaption von Basisaufgaben: Aufgaben adaptieren
  • methodische Anpassung der Inhalte des Klassenunterrichts, zum Beispiel sprachliche Vereinfachung von Textaufgaben
  • individuelle Begleitung innerhalb des Klassenunterrichts, zum Beispiel individuelle Reflexionsphasen mit einzelnen Lernenden
Ergänzung des Lehrplans durch individuell angepasste Förderung mittels…
  • der kompensatorischen Strategie mit dem Ziel des Ersetzens von unzureichenden Kenntnissen durch andere Qualifikationen, zum Beispiel Einsatz des Taschenrechners zur Entlastung der Rechentätigkeit beim Modellieren in höheren Schulstufen
  • der remedialen Strategie mit dem Ziel der direkten Förderung unzureichend ausgebildeter Kenntnisse, zum Beispiel gezielte Förderung zur Ablösung vom zählenden Rechnen
Deutlich wird, dass individuelle Förderung in allen Bereichen in Zusammenhang mit dem Lehrplan gesehen werden soll, jedoch das einzelne Kind im Zentrum der Überlegungen steht.
 
Bei der gemeinsamen Planung liefern die aufgezeigten Punkte eine Orientierung, wo im Fachunterricht eine individuelle Förderung greifen kann. Nach der Entscheidung für einzelne Zielsetzungen können geeignete Maßnahmen zur individuellen Lernentwicklung sowie Zeiträume und Methoden zur Überprüfung des Lernerfolgs verabredet werden. Es entsteht somit stetig eine neue, aktualisierte Planung analog des beschriebenen Kreislaufs.

Das Illustrationsbeispiel zeigt den Aufbau eines Formulars, welches als Gesprächsgrundlage für die Lehrkräfte dienen kann. Dieses steht im Materialteil für die persönliche Nutzung zur Verfügung.


Ein Beispiel zu dessen praktischer Nutzung bei der konkreten Unterrichtsplanung wird unter „Unterricht" näher skizziert.