Lernschwierigkeiten zeigen sich in Schule und Unterricht zwar als Probleme einzelner Schülerinnen und Schüler,

aber sie entstehen aufgrund unzureichender Passung zwischen den Lernmöglichkeiten eines Kindes, den schulisch verfügbaren Lernressourcen und den schulisch formulierten Leistungsanforderungen.
Die Ausbildungsordnung sonderpädagogische Förderung (AO-SF) des Landes NRW verlangt festzustellen,
ob bei einem oder einer Lernenden sonderpädagogischer Förderbedarf im Sinne einer Lernbehinderung vorliegt oder nicht.
Es ist in einem ersten Schritt zu prüfen, ob bei einem Kind umfängliche, langdauernde und schwerwiegende Lern- und Leistungsrückstände vorliegen. In einem zweiten Schritt ist zu beschreiben, in welchen spezifischen Bereichen ein individuelles Kind auf welche Art und Weise zu fördern ist und wer, wann und an welchem Ort der Beschulung diese Förderangebote bereitstellen kann.
Die erste Frage ist eine Frage der klassifizierenden Diagnostik, die versucht festzustellen, welche Lernenden über bestimmte Eigenschaften verfügen, um ihnen gezielte Hilfen zukommen zu lassen. Wie Lernbehinderung und Förderbedarf im Bereich des Lernens diagnostiziert wird, können Sie im Modul AO-SF(in Vorbereitung)erfahren.
Die zweite Frage ist eine Frage der entwicklungsorientierten Diagnostik, die versucht festzustellen,
welche Kompetenzen ein Kind bereits erfolgreich erwerben konnte, welche Kompetenzen noch nicht oder nur unzureichend beherrscht werden und was sinnvolle nächste Schritte der pädagogischen Förderung sein könnten.

Im Rahmen der Leitidee „Diagnosegeleitet fördern“ wird dargestellt, dass Diagnose und Förderung auf das Engste miteinander verknüpft sind:
Diagnosemomente und Fördermomente zeigt, dass Lehrkräfte im Unterricht kontinuierlich diagnostisch und fördernd tätig sind und dass sich durch „geschicktes“ Nachfragen oder „kleine“ Impulse während der Arbeitsphasen nicht selten spontane Diagnose- und Fördermomente ergeben.
Diagnosegespräche und Fördergespräche können umfassende Erkenntnisse zu den Denkweisen und Fortschritten der Lernenden liefern und Grundlage für Fördermaßnahmen sein, wenn sie kompetent vorbereitet, durchgeführt und reflektiert werden.
Diagnoseaufgaben und Förderaufgaben wollen mit Bedacht formuliert sein, um mathematische Kompetenzen zu diagnostizieren und die Entwicklung dieser zu fördern.
Planung individueller Förderung formuliert individuelle Kompetenzerwartungen in verschiedenen Entwicklungsbereichen und erleichtert die Zusammenarbeit der Lehrkraft mit weiteren „Experten“ wie Sonderpädagogen, Eltern, Therapeuten, Ärzten, etc.
Unterrichtsrelevante Tests und Förderung(in Vorbereitung)dienen der Feststellung eines punktuellen Lernstands (Lernstandsdiagnose), die festgestellten Kompetenzen und Defizite können als Ausgangspunkte für die weitere Lernentwicklung genutzt werden.
Diagnose- und fördergünstige Unterrichtsorganisation(in Vorbereitung)betonen die besondere Bedeutung eines unterrichtsintegrierten „Diagnose- und Förderkreislaufs“, denn Förderung ohne vorangehende Diagnose erfolgt in der Regel unspezifisch, wohingegen Diagnose ohne darauf aufbauende Förderung häufig wirkungslos bleibt (vgl. Hußmann & Selter, 2013).