Als äußerst sinnvolle Unterstützung für das Lernen sehbehinderter Schülerinnen und Schüler haben sich fünf „Low-Vision-Maßnahmen“ in der Praxis bewährt (vgl. Henriksen & Laemers, 2016, S. 157):

  • Vergrößerung 
  • Verbesserung von Kontrasten
  • Beleuchtung
  • Reduktion von Komplexität 
  • Platzierung

Die einfachste Möglichkeit, ein vergrößertes Netzhautbild zu erzielen, stellt die Vergrößerung durch Annäherung dar. Beispielsweise bewirkt bei Leseaufgaben eine Halbierung des Sehabstands eine zweifache Vergrößerung des Netzhautbildes. Allerdings sind Sehaufgaben mit sehr kurzem Sehabstand aufgrund der hohen Akkommodationsleistung der Augenlinse auf Dauer sehr anstrengend. Der Einsatz einer Bifokalbrille mit eingesetztem Plusglas kann das Sehen im Nahbereich deutlich erleichtern.

Die Formatvergrößerung, d.h. das Großkopieren von A4 auf A3 bewirkt lediglich eine Vergrößerung von 1,4-fach. Als Vergrößerungshilfen werden im Grundschulunterricht bei Leseaufgaben häufig Aufsetzlupen eingesetzt, die einfach handzuhaben sind. 

Abbildung 20: Aufsetzlupe als Lesehilfe

Schülerinnen und Schüler mit einem hohen Vergrößerungsbedarf arbeiten mit elektronischen Hilfsmitteln wie stationären Bildschirmlesegeräten oder mobilen Kamerasystemen (vgl. Abbildung 21). An diesen Geräten können neben der individuellen Vergrößerung auch Farbdarstellung und Kontrast eingestellt werden.

Abbildung 21: Bildschirmlesegerät

Für die Arbeit am Computer kann eine spezielle Vergrößerungssoftware eingesetzt werden, die hohe Vergrößerungen bei guter Abbildungsqualität ermöglicht. Tablets verfügen in der Regel standardmäßig über diese Möglichkeiten und können bei ausreichend großem Touchscreen einen individuell angepassten Textzugang ermöglichen.

Bei Sehaufgaben in der Ferne (z.B. Tafelarbeit) kann gegebenenfalls ein kleines Handfernrohr (Monokular) ein geeignetes Hilfsmittel darstellen (vgl. Abbildung 22).

Abbildung 22: Handfernrohre

Unterrichtsmaterialien sollten grundsätzlich kontrastreich gestaltet sein oder auf kontrastierendem Hintergrund angeboten werden. Farbkombinationen mit hohen Leuchtdichteunterschieden (z.B. dunkelblau und gelb oder schwarz und weiß) spielen hierbei eine große Rolle.


Detaillierte Informationen zu einem barrierefreien Kommunikationsdesign, das unter anderem Schriftgröße, Schrifttyp, Kontrast und Farbe einbezieht, finden sich online. 


Alle Schülerinnen und Schüler profitieren von gut und blendfrei beleuchteten Schul- und Klassenräumen. Kinder und Jugendliche mit Sehbeeinträchtigungen benötigen gegebenenfalls eine zusätzliche Arbeitsplatzleuchte, um den unmittelbaren Arbeitsbereich optimal auszuleuchten. Da einige Sehbeeinträchtigungen mit einer erhöhten Blendempfindlichkeit einhergehen (z.B. Albinismus), muss auf eine blendfreie Umgebungsgestaltung und Platzierung der Schülerinnen und Schüler geachtet werden. Darüber hinaus sollte der Arbeitsplatz nach ergonomischen Gesichtspunkten gestaltet werden. Speziell Kinder, die ihren Vergrößerungsbedarf durch Annäherung decken, benötigen einen neigungsverstellbaren Tisch, um wirbelsäulenschonend im Nahbereich arbeiten zu können.

Kinder mit Sehbehinderungen bzw. visuellen Wahrnehmungsbeeinträchtigungen profitieren von einer Reduktion visueller Komplexität. Arbeitsblätter sollten deshalb klar gegliedert sein und sich auf die wesentlichen und notwendigen Inhalte beschränken. Wie bei blinden Kindern stellt eine deutliche Strukturierung des Klassenraums auch für Kinder mit Sehbeeinträchtigungen eine Orientierungs- und Lernhilfe dar.